Coaching für Angehörige - CRAFT
CRAFT (Community Reinforcement and Family Training) ist ein wissenschaftlich fundiertes Beratungs- und Trainingsprogramm für Angehörige von Menschen mit einer Suchtproblematik. Der Ansatz richtet sich ausdrücklich an Eltern, Partner*innen und andere nahestehende Personen, insbesondere dann, wenn die betroffene Person (noch) keine Veränderungsbereitschaft zeigt oder Hilfe ablehnt.
Mit CRAFT verfolgen wir einen doppelten Ansatz:
Zum einen werden Angehörige darin unterstützt, ihre eigene Lebensqualität und Handlungsfähigkeit zu stärken. Zum anderen erhöht sich nachweislich die Wahrscheinlichkeit, dass die suchtkranke Person freiwillig professionelle Hilfe annimmt.
Worum geht es bei CRAFT?
Angehörige geraten im Umgang mit suchtbelasteten Menschen häufig in einen Kreislauf aus Sorgen, Konflikten, Kontrolle, Rückzug oder Hilflosigkeit. Gut gemeinte Strategien, wie Druck, Drohungen oder ständige Diskussionen, führen dabei oft nicht zu der gewünschten Veränderung.
Wir setzen an einem anderen Punkt an:
Angehörige lernen, ihr eigenes Verhalten bewusst zu verändern, um Einfluss auf das Umfeld der betroffenen Person zu nehmen. Ohne Konfrontation, ohne Schuldzuweisungen und ohne sich selbst dabei aus dem Blick zu verlieren.
Der Ansatz basiert auf verhaltenstherapeutischen Prinzipien und nutzt gezielt positive Verstärkung, klare Kommunikation und Selbstfürsorge.
Für wen ist CRAFT geeignet?
CRAFT richtet sich an:
- Eltern von Jugendlichen oder erwachsenen Kindern mit problematischem Substanzkonsum oder problematischer Mediennutzung
- Partner*innen von suchtbelasteten Menschen
- weitere Angehörige oder enge Bezugspersonen
Das Angebot ist besonders geeignet, wenn:
- die betroffene Person ihren Konsum bagatellisiert oder keine Hilfe möchte,
- Gespräche immer wieder eskalieren oder ins Leere laufen,
- Angehörige sich erschöpft, hilflos oder überfordert fühlen.
Die Teilnahme ist auch dann sinnvoll, wenn sich das Konsumverhalten zunächst nicht verändert, denn CRAFT stärkt in jedem Fall die Situation der Angehörigen.
Was lernen Angehörige im CRAFT-Programm?
Im Rahmen der CRAFT-Beratung werden unter anderem folgende Inhalte vermittelt:
- Verstehen von Suchtverhalten
Wie entsteht und stabilisiert sich Sucht? Welche Rolle spielen Auslöser, Folgen und das soziale Umfeld? - Positive Verstärkung gezielt einsetzen
Erwünschtes, suchtfreies Verhalten wahrnehmen und stärken ohne zu kontrollieren oder zu belehren. - Konstruktive Kommunikation
Wie können Gespräche wertschätzend, klar und konfliktärmer geführt werden? - Umgang mit kritischen Situationen
Strategien für Rückfälle, Eskalationen oder belastende Alltagssituationen. - Grenzen setzen und Selbstfürsorge
Eigene Bedürfnisse ernst nehmen, Verantwortung dort lassen, wo sie hingehört, und Überforderung reduzieren. - Motivation zur Inanspruchnahme von Hilfe fördern
Wege, wie Angehörige die Bereitschaft zur Veränderung unterstützen können, ohne Druck auszuüben
Ziele von CRAFT
CRAFT verfolgt mehrere gleichwertige Ziele:
- Entlastung und Stärkung der Angehörigen
- Verbesserung der familiären Kommunikation und Beziehungsgestaltung
- Reduktion von Konflikten und belastenden Interaktionsmustern
- Erhöhung der Wahrscheinlichkeit, dass die betroffene Person freiwillig eine Beratung oder Behandlung beginnt
Studien zeigen, dass CRAFT im Vergleich zu konfrontativen oder rein unterstützenden Ansätzen signifikant häufiger dazu führt, dass suchtkranke Menschen Hilfe annehmen und gleichzeitig das Wohlbefinden der Angehörigen verbessert.
Unser CRAFT-Angebot
Wir bieten CRAFT als vertrauliche, individuelle Fachberatung an. Sie lernen in ca. 12 Sitzungen des Coachings, wie Sie einen positiven Einfluss auf die herausfordernde Situation und Ihr Wohlbefinden nehmen können. Dafür machen wir zunächst eine genaue Analyse des Konsumverhaltens der direkt betroffenen Person und erarbeiten daraus gemeinsam einen Coachingplan, der individuell auf Ihre Situation zugeschnitten ist.
Die Beratung ist kostenfrei, vertraulich und unterliegt der Schweigepflicht.